... aber der wedelt doch mit dem Schwanz?!
- Carolin Wolf

- 23. Juli 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 6. Mai
Was die Rutenhaltung und -bewegung uns über das Ausdrucksverhalten unserer Hunde erzählt.

Diesen Satz – „Der ist glücklich und will spielen, der wedelt doch mit dem Schwanz!“ – höre ich in meinem Berufsalltag als Hundeverhaltensberaterin regelmäßig. Gerade bei Hundebegegnungen entstehen dadurch jedoch häufig Missverständnisse, weil viele Hundehalter einzelne Signale isoliert betrachten.
Die Rutenbewegung oder -haltung allein verrät nämlich nur einen kleinen Teil darüber, wie sich ein Hund tatsächlich fühlt. Um Hundeverhalten richtig einschätzen zu können, ist es wichtig, die gesamte Körpersprache im Zusammenhang zu betrachten. Während meiner Ausbildung an der ATN habe ich unzählige Videos analysiert und beschrieben, um Ausdrucksverhalten und Kommunikationssignale von Hunden besser zu verstehen.
👉 Besonders im Alltag oder bei Hundebegegnungen werden frühe Stress- und Kommunikationssignale oft übersehen. Genau deshalb spielt Körpersprache auch in meinem Begegnungstraining sowie in der Online-Hundeverhaltensberatung eine zentrale Rolle.
Weil es gar nicht so einfach ist, all diese Signale gleichzeitig zu erkennen, starten wir heute mit einem der auffälligsten Kommunikationsmittel des Hundes: seiner Rute. Denn die Rute kannst du auch aus größerer Entfernung oder beim Spaziergang besonders gut beobachten.
Die gesamte Körpersprache beachten – nicht nur die Rute !
Die Rutenhaltung und Bewegung sollte immer im Zusammenhang mit der Situation und der gesamten Körpersprache betrachtet werden. Wichtig ist außerdem die sogenannte „Grundhaltung“ Deines Hundes: Wie trägt er seine Rute, wenn er entspannt ist? Auch Ohren, Blick, Fang, Muskelspannung und Körperhaltung liefern wichtige Hinweise auf die Stimmung und Absichten Deines Hundes. Wer Körpersprache frühzeitig lesen kann, erkennt Stress, Unsicherheit oder Anspannung oft deutlich früher – bevor Situationen eskalieren oder Missverständnisse entstehen.
👉 Du möchtest lernen, Körpersprache im Alltag sicherer zu erkennen? Im Alltagstraining und in der Verhaltensberatung analysieren wir Ausdrucksverhalten gemeinsam Schritt für Schritt.
Im Folgenden erfährst Du, welche Bedeutung verschiedene Rutenhaltungen und Bewegungen im Hundeverhalten häufig haben können.
Was die Rutenhaltung & -bewegung über das Empfinden des Hundes verrät
Hohe Rutenhaltung
Eine hoch getragene Rute signalisiert häufig Aufmerksamkeit, Anspannung oder Selbstsicherheit. Dein Hund ist wachsam und möglicherweise neugierig auf seine Umgebung. Durch die hohe Rutenhaltung liegt zudem der Po bzw. die Analregion des Hundes frei, was im sozialen Kontext als elementares Kommunikationsmittel gilt, denn sie gibt bei Annäherung eines anderen Hundes Informationen frei. Hebt Dein Hund bei der Annäherung eines anderen Hundes die Rute an, kann das eine soziale Kontaktaufnahme sein – muss aber immer im Gesamtkontext betrachtet werden. Eine steil aufgerichtete und starre Rute kann jedoch auch Distanzvergrößerung, Unsicherheit oder eine angespannte Situation ankündigen. Genau solche feinen Unterschiede werden im Alltag häufig falsch interpretiert.
Niedrige Rutenhaltung
Eine tief getragene Rute kann – je nach Situation – unterschiedliche Bedeutungen haben. Eine entspannt gesenkte Rute zeigt meist, dass Dein Hund ruhig und gelassen ist. Wird die Rute zwischen die Beine geklemmt oder unter den Bauch gezogen, deutet das häufig auf starke Unsicherheit oder Angst hin. Der Hund versucht in diesem Moment oft, Konflikte zu vermeiden oder Distanz herzustellen. Gerade bei Hundebegegnungen werden solche Signale leider oft übersehen oder falsch eingeschätzt. Konzentriert sich dein Hund aktuell auf eine Übung, erkennst du oftmals auch eine gesenkte Rute. Das hat nichts mit Angst zu tun, dein Hund ist fokussiert auf seine Aufgabe.
Die Wedelgeschwindigkeit und -breite
Ein schnell wedelnder Schwanz zeigt zunächst vor allem eines: ein erhöhtes Erregungsniveau. Umso schneller die Rute wedelt, umso höher ist das Erregungslevel. Dieses Erregungsniveau ist jedoch nicht automatisch positiv oder negativ zu bewerten. Ist Dein Hund glücklich und freut sich über etwas – sei es Deine Rückkehr nach Hause oder ein bevorstehender Spaziergang, erkennst du mit Sicherheit ein schnelles, breites Wedeln der Rute. Schnelles, schmales oder plötzlich einfrierendes Wedeln kann dagegen auf hohe Anspannung oder Unsicherheit hindeuten.
Kreisendes Wedeln
Ein weit ausschweifendes, kreisendes „Helikopter-Wedeln“ ist häufig ein deutliches Zeichen von Freude und positiver Erregung. Dein Hund ist überglücklich, zum Beispiel wenn er einen geliebten Menschen oder Hund wiedersieht. Bei Holly, meiner Hündin, sieht man diesen „Propeller“ besonders deutlich, wenn sie ihren Dummy oder Ball beim Spaziergang tragen darf. Da wackelt der ganze Bobbes :-)
Steif wedelnde Rute
Eine steif wedelnde Rute in Kombination mit starrer Körperhaltung kann dagegen auf hohe Anspannung oder eine mögliche Eskalation hinweisen. Viele Hunde zeigen solche feinen Signale bereits lange bevor es zu Knurren oder Konflikten kommt.
Rutenansatz und Unterschiede bei den Hunderassen
Neben der Bewegung spielt auch der individuelle Rutenansatz des Hundes eine wichtige Rolle bei der Interpretation. Der Rutenansatz bewegt sich bei jedem Hund, egal wie die Rute geformt ist. Es gibt Hunde mit einer nach oben geringelten Rute, z.B. der Basenji, oder Hunde wie ein Deutsch Langhaar, mit sehr tief angesetzter Rute. Manche Hunde besitzen zudem eine verkürzte Rute (Brachyurie), wodurch Ausdrucksverhalten schwieriger lesbar sein kann. Auch die Fellbeschaffenheit der Hunde macht einen Unterschied, wenn wir das Ausdrucksverhalten beobachten wollen.
Starte jetzt damit, Deinen Hund bewusster zu beobachten

Mit diesem Wissen kannst Du ab sofort die Rutenbewegungen Deines Hundes in verschiedenen Alltagssituationen bewusster beobachten und besser einordnen. So lernst Du Schritt für Schritt, Stress, Unsicherheit, Freude oder Anspannung frühzeitiger zu erkennen. Je häufiger Du beobachtest und Situationen aktiv analysierst, desto leichter wird es Dir fallen, auch andere Ausdruckssignale zu erkennen. Wichtig dabei: Nicht jede Bewegung ist automatisch bewusste Kommunikation. Dein Hund nutzt seine Rute nämlich auch für die Balance beim Gehen/ Stehen.
Ich hoffe, dieser Beitrag hilft Dir dabei, die Körpersprache Deines Hundes bewusster wahrzunehmen und Missverständnisse im Alltag besser zu vermeiden. Welche Rutenbewegungen beobachtest Du bei Deinem Hund besonders häufig? Schreib es gerne in die Kommentare.
👉 In meiner Online-Verhaltensberatung, dem Alltagstraining und der regionalen Hundeverhaltenstherapie lernst Du, Ausdrucksverhalten im Alltag besser zu lesen und sicherer auf Deinen Hund einzugehen.
Bis zum nächsten Mal bei Wuff & Wissen – Deinem Blog rund um modernes Hundeverhalten, Körpersprache und bedürfnisorientiertes Hundetraining.
Liebe Grüße,
Caro
👉 Du möchtest die Körpersprache Deines Hundes besser verstehen?
Dann entdecke passende Angebote:
Regionale Angebote im Kreis Göppingen, Esslingen & Kirchheim unter Teck:
- Begegnungstraining mit vorbestellten und instruktierten Mensch-Hund-Teams
- Verhaltensberatung für unsichere, aggressive, reaktive Hunde und viele weiteren Herausforderungen
- Wöchentliches Alltagstraining in der Gruppe
Weiterführende Angebote & Trainings:








Kommentare